Schulhausmeister: Not am Mann

von Kristina Auer 29. November 2017

Das Felix-Mendelsohn-Bartholdy-Gymnasium hat seit diesem Schuljahr zwei Häuser, aber nur einen Hausmeister. Das neue Gebäude ist noch nicht fertig saniert. Elternvertreter fordern mehr Stellen.


„Der Schulbetrieb leidet.“ So drücken es Ulrike Roser und Michael Waiser in einem Satz aus. Sie sind im Vorstand der Elternvertretung am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium und müssen sich derzeit mit entnervten Eltern, erschöpften Lehrern, gefährdeten Schülern und einem überlasteten Hausmeister rumschlagen.

Seit Beginn des Schuljahrs hat das Bartholdy-Gymnasium zwei Standorte. Ursprünglich sollte das Schulgebäude in der Pasteurstraße 9-11 als Ersatzstandort hergerichtet werden. Damit einige Klassen während geplanter Bauarbeiten am sanierungsbedürftigen Hauptgebäude in der Eugen-Schönhaar-Straße 18 dorthin ausweichen können. Aber dann kam die Schulplatznot und der Bezirk beschloss, gleich zum Schuljahr 2017/18 drei siebte Klassen mehr einzuschulen. In den nächsten Jahren wird so aus einem vierzügigen ein siebenzügiges Gymnasium. Derzeit nutzen die Klassen neun bis zwölf das Schulgebäude in der Pasteurstraße, die Klassen sieben bis neun gehen weiter in die Eugen-Schönhaar-Straße.

 

Unterschiedliche Klimazonen

 

Das Problem: Weil sich die Bauarbeiten in der Pasteurstraße verzögert haben, ist das zweite Schulgebäude immer noch in Teilen ein Baustelle. Die Klassenzimmer sind zwar weitgehend fertig, allerdings sei die Heizung falsch eingestellt: „Es gibt im Schulhaus unterschiedliche Klimazonen“, sagt Elternvertreter Michael Waiser. Die gesamte Verwaltung wie Lehrerzimmer oder Sekretariat sind stattdessen noch unfertig, ebenso wie das Foyer. Das birgt Gefahren: „Zu Anfang des Schuljahrs lagen Kabel über den Treppen, ein Rollgerüst stand frei herum“, beschreibt Elternvertreterin Ulrike Roser die Situation. Auch Baustaub und Dreck seien eine Belastung.

___STEADY_PAYWALL___

Die Elternvertreter Michael Waiser und Ulrike Roser kämpfen für mehr Hausmeisterstellen an Pankower Schulen

Hier kommt der Schulhausmeister ins Spiel. „Er sieht Dinge, die anderen nicht auffallen, weiß, wann Pausen sind und wo gleich viele Schüler entlang gehen und ist während der Bauarbeiten ein wichtiger Ansprechpartner“, sagt Roser. Der jetzige Hausmeister tue zwar, was er kann. Mit zwei Schulhäusern und einer Baustelle sei aber nicht alles zu schaffen. „Eine Möbellieferung wurde zum Beispiel in die Eugen-Schönhaar-Straße geliefert, obwohl sie in die Pasteurstraße gehört, weil dort kein zuständiges Personal angetroffen wurde.“ Auch habe es auf den Toiletten deswegen schon mal kein Papier gegeben.

 

Zwei Stellen mehr für ganz Pankow

 

Die Elternvertreter fordern deshalb dringend mehr als nur eine Hausmeisterstelle für eine Schule mit zwei Standorten wie das Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium. Ähnlich sieht es die Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Sie beschloss im Oktober, das Bezirksamt solle sich beim Senat für 1,5 Hausmeisterstellen pro Schule einsetzen. „Angesichts der Ganztagsnutzung der Schulen, inklusive Sporthallen, sind die jetzigen Stellen nicht ausreichend“, findet auch Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU). Per Senatsbeschluss sei aber geregelt, dass jede Schule nur Anspruch auf einen Hausmeister hat, egal, wieviele Schüler oder Gebäude es gibt. Derzeit gibt es in Pankow sogar nur 65 Schulhausmeister für insgesamt 66 Schulen. Ab nächstem Jahr stehen immerhin zwei Stellen mehr zur Verfügung. Vom Ziel der 1,5 Stellen pro Schule ist der Bezirk dann trotzdem noch weit entfernt. Er habe gemeinsam mit Stadträten anderer Bezirke einen Brief an die Senatsverwaltung für Finanzen geschrieben und die 1,5 Hausmeisterstellen pro Schule eingefordert, so Kühne.

„Die Bezirke erhalten ab 2018 60 Millionen Euro für zusätzliches Personal, davon können sie rund 41 Millionen Euro zur eigenen Schwerpunktsetzung verwenden, zum Beispiel für Schulhausmeister“, schreibt die Senatsverwaltung auf Anfrage. Die Summe entspreche etwa 818 Vollzeitstellen, die die Bezirke frei einsetzen können. „Auf den Bezirk Pankow entfallen davon 88,5 Stellen beziehungsweise 4,4 Millionen Euro.“ Soll heißen: Der Bezirk hätte ja mehr Schulhausmeister einstellen können. Hat er aber nicht, der Doppelhaushalt für 2018/2019 wurde gerade verabschiedet. Um die angestrebte Quote zu erreichen, hätte der Bezirk fast die Hälfte der 88,5 Stellen für Schulhausmeister einplanen müssen. Stattdessen sind es nur zwei mehr geworden. Bis 2020 müssen die Pankower Schulen also mit 67 Hausmeistern auskommen.

 

Sanierung des Hauptgebäudes bei laufendem Betrieb

 

Währenddessen übt sich das Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium in Durchhaltevermögen. Man bemühe sich, den Widrigkeiten mit Humor und Gelassenheit zu begegnen, schreibt die Schulleitung auf ihrer Webseite. Dies falle aber zunehmend schwerer. Noch mehr Humor brauchen die Lehrkräfte und Schüler wohl ab Frühjahr 2019: Dann soll das Hauptgebäude in der Eugen-Schönhaar-Straße saniert werden – im laufenden Schulbetrieb. Begonnen werden soll mit dem Dach. Einen zweiten Hausmeister, der während der Bauarbeiten mit Rat und Tat zur Seite steht, wird das Gymnasium auch dann nicht haben.

Das könnte Dich auch interessieren

2 Kommentare

Claudia Striffler 1. Dezember 2017 at 21:53

Warum eigentlich Not am ‚Mann‘? Können Frauen nicht auch Hausmeister sein?

Antworten
Kristina Auer 4. Dezember 2017 at 9:32

Liebe Claudia, natürlich können Frauen auch Hausmeisterinnen sein, allerdings wissen wir nicht, ob es in Pankow auch eine Schulhausmeisterin gibt. Am Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium ist es jedenfalls ein Mann. Hättest Du einen Vorschlag für einen besseren Titel?

Antworten

Hinterlasse einen Kommentar